Die Teetied – wie die Ostfriesen den Tee zelebrieren

Es gibt so einige Länder, in denen wird der Teegenuss besonders hoch gehalten. England zum Beispiel, Japan und China sowieso, und auch hierzulande wird der Genuss von Tee regelrecht zelebriert: in Ostfriesland! Wie kam es aber, dass gerade die Ostfriesen so viel Gefallen daran fanden? Anfang des 17. Jahrhunderts begann man in Europa Tee aus Indien zu importieren. Da Ostfriesland ja nun bekanntlich am Meer liegt, gab es zahlreiche Schiffer, die am Import beteiligt waren. Wurde Tee zu Beginn nur als Medizin genutzt, kamen die Menschen langsam auf den Geschmack. Noch dazu, weil Tee um einiges günstiger war, als Bier, das bis dahin das Hauptgetränk in Ostfriesland war. Es dauerte nicht lange und der Handel mit Tee blühte.

Teetied

© silverhillshooter | istockphoto.com (#2310211 – Tee-Time) In Ostfriesland wird Tee nicht einfach nur getrunken – ein wahrer Genuss wird der Ostfriesentee erst durch die Ostfriesische Teezeremonie.

Das führte dahin, dass sich ab dem späten 18. Jahrhundert eine regelrechte Teekultur in Ostfriesland entwickelte – und das, obwohl der Teegenuss sogar zwischenzeitlich durch den preußischen König verboten wurde. Auch die beiden Weltkriege machten es über viele Jahre unmöglich, Tee zu genießen.

Tee wird in Ostfriesland nicht einfach nur getrunken. Die ostfriesische Teezeremonie, die auch Teetied heißt, ist hier allgegenwärtig. Getrunken wird dabei meistens ein Ostfriesentee, der aus bis zu zehn Schwarzteesorten gemischt und nur in Ostfriesland hergestellt wird. Für eine „echte“ ostfriesische Teezeremonie wird auch echtes ostfriesisches Teegeschirr verwendet. Der Tee wird in einer Kanne zur Hälfte mit Wasser aufgegossen (pro Tasse ein Teelöffel + ein Löffel „für die Kanne“) und muss dann bis zu vier Minuten ziehen. Anschließend die Kanne ganz füllen und in eine Servierkanne umgießen.

Bevor der Tee in die Tasse kommt, wird ein Stück Kandiszucker hineingegeben, die Ostfriesen sagen auch Kluntje dazu. Danach wird mit einem Sahnelöffel vorsichtig am Rand ein Tropfen Sahne in den Tee gegeben, damit eine Sahnewolke (´n Wulkje) entsteht. Getrunken wird dann ohne umzurühren. So erhält man zuerst das herbe Aroma, dann den sahnigen Geschmack und schließlich die Süße des Kandis. Meist wird die ostfriesische Teezeremonie nachmittags um 15 Uhr zelebriert. Aber auch vormittags um 11 Uhr und abends um 21 Uhr lassen sich die Ostfriesen den Tee schmecken.

 

Weitere Artikel rund um den Tee